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Angelina Jolie
ion auf einer »Projektionsfläche« (79) jenseits der Grenzen des konkreten Werks. Auch ANDREAS ICKSTADT ist in seinem Beitrag »Über die integrierende und dissoziierende Funktion von Imitationstechniken bei Johannes Brahms« unmittelbar mit kompositorischer ›Materie‹ befasst. Er befragt motivisch gebundene Polyphonie, ein typisches Merkmal Brahms’scher Satztechnik, auf ihre Funktion für den jeweiligen Werkzusammenhang und zeigt, wie kontrapunktisch-imitierende Verfahren nicht nur »als zusammenhangstiftendes Moment« (94), sondern auch als gezielt destabilisierende Elemente verstanden werden können. Analog zu Spricks systematischer Bestimmung von ›musikalischer Logik‹ machen Ickstadts Ausführungen deutlich: Auch die Wahrnehmung ›musikalischen Zusammenhangs‹ setzt voraus, dass musikalische Struktur und Hörerwartungen der Rezipierenden zur Deckung gelangen. Zu solchen Erwartungen gehören etwa die Durchhörbarkeit eines stabilen Metrums oder die Beendigung von Formabschnitten durch ausformulierte Schlusswendungen. Beides lassen die Takte 183–191 des 1. Satzes aus Brahms’ Klarinettensonate f-Moll op. 120/1 vermissen (Bsp. 1): Im Kanon zwischen Klarinette und Klavier sorgt, so Ickstadts Interpretation, die »Dissoziation der zeitlichen Ebenen« gemeinsam mit dem anschließenden »Verstummen« der Musik »in absoluter Offenheit« für Irritation der »Wahrnehmung« und »Aufkündigung des musikalischen Zusammenhangs« (101f.).
Beispiel 1: Testtesttest
Am anderen Ende der methodischen Skala stehen rein diskursanalytisch orientierte Kapitel, in denen nicht Musik selbst, sondern das Sprechen über Musik zum Untersuchungsgegenstand wird. So behandelt ULIRICH TADDAY in seinen Ausführungen »Zur Aporie des Unsagbarkeitstopos in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts« die Schwierigkeit, das ›Eigentliche‹ des Musikalischen in analytische Worte zu fassen. E. T. A. Hoffmanns »Scheitern« (47) an dieser Aufgabe, Robert Schumanns »Skeptizismus« (49) hinsichtlich ihrer Durchführbarkeit, ihre prinzipielle Ablehnung durch Eduard Hanslick, demgegenüber ihre begeisterte Annahme durch Franz Liszt (die jedoch nur durch eine »Fehlinterpretation« Hegels [53] legitimiert erscheint) – an solchen Beispielen führt Tadday die »diskursgeschichtliche Bedeutungslosigkeit der musikalischen Analyse« (45) im früheren 19. Jahrhundert vor. GORDON KAMPE zeigt in »›Misreading‹ Ernst Kurth – Der Einfluss der Schriften Ernst Kurths auf zeitgenössische Autoren«, inwiefern eine Lektüre musiktheoretische